Voller Klang am Hildesheimer Dom

09.04.2013

Neuer Glockenstuhl und neue Glocken für den Hildesheimer Dom - Spender gesucht

Erstmals seit Jahrzehnten wird der Hildesheimer Dom nach dem Ende der Sanierung wieder über ein Geläut mit vollem Klang verfügen. Derzeit wird ein neuer Glockenstuhl errichtet. Die Betonarbeiten, der Guss des Fundamentes, wurden am Dienstag begonnen. Der Mariendom erhält zudem sechs neue Glocken, die ausschließlich von Spendern finanziert werden. Für den Guss der 850 Kilogramm schweren „Martinsglocke“ werden noch Spender gesucht.

Glockenstuhl Hildesheimer Dom

Der alte Glockenstuhl muss weichen, um
Platz für sechs neue Glocken zu schaffen.
Foto: bph

Schon seit mindestens 1000 Jahren erklingen über der Stadt Hildesheim die Glocken des Domes. Seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war das Geläut jedoch unvollständig. Im Krieg war ein Teil der Glocken als „kriegswichtiges Material“ nach Hamburg gebracht und bis heute nicht ersetzt worden. Andere Glocken waren beim Luftangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 irreparabel beschädigt worden. Im Zuge der umfassenden Sanierung des Weltkulturerbes sah Domkantor Stefan Mahr, auch Orgel- und Glockensachverständiger des Bistums Hildesheim, die Gelegenheit gekommen, dem Dauerprovisorium ein Ende zu bereiten: Er setzte sich bei der Bistumsleitung für ein neues Domgeläut ein und stieß auf offene Ohren. Die Bistumsleitung beschloss die Ergänzung und Erneuerung des Geläutes.

Der alte Glockenstuhl wurde kürzlich bereits abgebaut. Nun wird ein neuer Glockenstuhl aus Eichenholz errichtet. In zwei übereinander liegenden Turmkammern werden künftig die alten sechs und sechs neue Glocken aufgehängt sein. Die bislang eher „männlichen“ Stimmen Bass und Tenor werden dann um die „weiblichen“ Klangfarben Sopran und Alt ergänzt sein. Auch die neuen Glocken, die noch in diesem Jahr gegossen werden, werden nach Bistumspatronen oder mit dem Bistum Hildesheim verbundenen Heiligen benannt: nach Martin von Tours (um 316/317-397), Bischof Altfrid (um 798-874), Hedwig von Schlesien (1174-1243), Oliver Plunkett (1629-1681), Niels Stensen (1638-1686) und Edith Stein (1891-1942).

Voraussichtlich im Sommer 2014 wird das neue Geläut mit seinen dann zwölf Glocken probeweise das erste Mal über der Stadt erklingen. Jedenfalls dann, wenn sich genügend Spender finden, die sich für die letzte der neuen Glocken, die Martinsglocke, engagieren. „Sonst bleibt eine Leerstelle im Glockenturm“, sagt Mahr. Geweiht werden die neuen Glocken von Bischof Norbert Trelle noch vor der Wiedereinweihung des sanierten Domes. Damit das neue, voll tönende Geläut mit seinem feierlichen Klang die Gäste aus dem ganzen Land an diesem Festtag im August 2014 angemessen begrüßen kann.

Informationen zu Spenden für das Geläut gibt es im Fundraisingbüro des Bistums Hildesheims unter Telefon 05121-174930, E-Mail: info@fundraisingbuero.de, Internet: www.domsanierung.de

Die Namenspatrone:

Martin von Tours ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Der Legende nach teilte er seinen Mantel mit einem Armen, was jährlich im November mit Martinszügen gefeiert wird.

Bischof Altfrid war einer der bedeutendsten Bischöfe des Bistums Hildesheim und hat sich unter anderem für den Umbau des Domes große Verdienste erworben.

Hedwig von Schlesien, auch Hedwig von Andechs, ist die Patronin der Heimatvertriebenen, von denen viele nach dem Zweiten Weltkrieg ins Bistum Hildesheim kamen und es entscheidend prägten.

Oliver Plunkett war Erzbischof und Primas in Irland. Er wird besonders in Lamspringe verehrt, wohin seine Gebeine im 17. Jahrhundert überführt wurden.

Niels Stensen, war ein dänischer Arzt, Anatom und Naturforscher, später Priester und Bischof. Er wirkte unter anderem als Apostolischer Vikar in Hannover.

Edith Stein war eine zum Katholizismus konvertierte jüdische Deutsche, die in den Orden der Karmelitinnen eintrat und in Göttingen Philosophie studierte. Sie wurde im KZ Auschwitz ermordet.