Forschungslücke geschlossen

23.02.2011

Ausstellung und neues Buch erläutern Ausgrabungen am Domhof

Hildesheim (bph) Wenn Steine sprechen, dann erzählen sie spannende Dinge. Geschichten von der Gründung eines Doms an der Innerste und dem Werden einer Stadt zum Beispiel. Da Steine aber meist nicht sprechen, muss man sie zum sprechen bringen. Das tut nun eine Ausstellung in der Hildesheimer Dombibliothek, vor allem aber ein neues Buch mit dem Titel „Die Bernwardsmauer in Hildesheim“. Bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend wurde das Buch vorgestellt und gewürdigt.

Bischof Norbert Trelle neben dem Buchautor Dr. Helmut Brandorff und weitere Personen
Bischof Norbert Trelle neben dem Buchautor
Dr. Helmut Brandorff, Dr. Henning Haßmann,
Niedersächsischer Landesarchäologe,
Diözesankonservator Prof. Dr. Karl Bernhard
Kruse und Dr. Stefan Winghart, Präsident
des Niedersächsischen Landesamtes für
Denkmalpflege, Foto: bph

Der Hildesheimer Domhof ist zurzeit ein Schatzkästlein für Archäologen. Wegen der anstehenden Domsanierung ergibt sich die seltene Gelegenheit, den Boden gründlich zu durchforschen. Und was der Dom und die Antoniuskirche samt Umgebung in den letzten Jahren hergegeben haben, das kann sich allemal sehen lassen: Ziegel zum Beispiel, die unübersehbar den Stempel des Heiligen Bischofs Bernward tragen oder ein Schreibgriffel, beide rund tausend Jahre alt. Im Vorraum der Dombibliothek sind diese archäologischen Schätze unter dem Titel „Wenn Steine sprechen“ ab sofort bis zum 27. Mai während der Öffnungszeiten der Dombibliothek zu besichtigen.

Wem die informativen Tafeln nicht genügen, der kann sich mit dem Buch „Die Bernwardsmauer in Hildesheim“ noch tiefer in die Materie einlesen. Dieses umfangreiche Werk ist zugleich die Doktorarbeit des Archäologen Dr. Helmut Brandorff, der darin die Ergebnisse von fast 25 Jahren Forschertätigkeit aufbereitet hat. Seit 1986 erforscht er, zum Teil gemeinsam mit Diözesankonservator Prof. Dr. Karl Bernhard Kruse, die frühmittelalterliche Mauer des heiligen Bischofs sowie Dom und Antoniuskirche. 1993 hat er seine Dissertation offiziell begonnen und bereits im Jahre 2000 abgeschlossen, aber aus verschiedenen Gründen erst jetzt – gründlich überarbeitet – als Buch veröffentlichen können. Äußerst detailliert und mit zahlreichen Fotos versehen stellt dieses Buch den derzeitigen Stand des Wissens dar. Für diese großartige Leistung spendeten die mehr als 200 Gäste in der Dombibliothek stehenden Beifall. Es soll nicht das letzte Werk dieser Art sein. Brandorff kündigte an, nach dem Ende der Ausgrabungen 2015 gemeinsam mit dem Diözesankonservator ein neues Buch mit den dann neuen Forschungsergebnissen schreiben zu wollen.

„Sie haben dem bisherigen Forschungsstand wesentliche neue Elemente hinzu gefügt“, lobte denn auch Bischof Norbert Trelle Brandorff und Kruse in seinem Grußwort. Nach Ansicht von Dr. Stefan Winghart, dem Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, werfen die Ergebnisse ein völlig neues Licht auf die Geschichte des karolingischen Reiches. Den beiden Herren sei es mit zu verdanken, dass der Dom heute eine der am besten erforschten Kirchen überhaupt sei. Dass sie eine Forschungslücke geschlossen haben, bestätigte ihnen auch Dr. Henning Haßmann, Landesarchäologe am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Diözesankonservator Kruse schließlich versprach, die Öffentlichkeit auch in den nächsten Jahren über seine Forschungen auf dem Laufenden zu halten.

Information:
„Wenn Steine sprechen“,
Ausstellung in der Hildesheimer Dombibliothek, bis 27. Mai 2011;
Helmut Brandorff: Die Bernwardsmauer in Hildesheim,
Verlag Marie Leidorf, Rahden, 2010, ISBN 978-3-89646-975-5