Hoher Werkstatt-Besuch

11.04.2011

Niedersächsische Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka besichtigte den Godehardschrein

Hildesheim (bph) Er ist einer der wertvollsten Schätze des Hildesheimer Doms und ein Juwel für die Wissenschaft: Der Godehardschrein mit den Reliquien des Heiligen Bischofs Godehard. Am Montagmorgen hat die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka, dieses kunsthistorische Kleinod in Hildesheim besucht, wo es zurzeit aufwändig untersucht wird.

Die Ministerin nimmt den Schrein unter die Lupe, daneben Goldschmiedemeister und Restaurator Uwe Schuchardt

Die Ministerin nimmt den Schrein unter die
Lupe, daneben Goldschmiedemeister und
Restaurator Uwe Schuchardt; Bild: bph

Die Ministerin zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Restauratoren, die den Schrein bis zur Wiedereröffnung des Doms im Jahre 2014 materialtechnisch und kunsthistorisch untersuchen und dokumentieren. „Der Godehardschrein gehört zu den wertvollsten Zeugen des Mittelalters in Niedersachen“, sagte die Ministerin in Hildesheim, „die Restaurierung und wissenschaftliche Untersuchung ermöglicht es, dieses unschätzbare Kunstwerk für kommende Generationen zu erhalten.“

Unter den Reliquienschreinen mit Goldschmiedearbeiten ist der Hildesheimer Godehardschrein einer der ältesten und weitgehend im Originalzustand erhalten. Er birgt die Reliquien des hl. Bischofs Godehard, der das Bistum von 1022 bis 1038 leitete. Im Jahre 1131 wurde der Bischof heiliggesprochen, seine Verehrung breitete sich bald über ganz Europa aus. So ist zum Beispiel der St. Gotthard-Berg in den Alpen nach Bischof Godehard benannt. Schon bald nach der Heiligsprechung entstand vermutlich der Holzkern des Schreins, der von herausragenden Goldschmieden aufwändig gestaltet und mit zahlreichen Edelsteinen verziert wurde. Bei der Öffnung des Schreins 2010 wurden die Reliquien entnommen. Die dabei gefundenen kostbaren Stoffe, in die die Reliquien eingehüllt waren, werden zurzeit bei der Schweizer Abeggstiftung restauriert.

Der Schrein ist 1,22 Meter lang, 51 Zentimeter breit und 65 Zentimeter hoch. Um den untersten Rand zieht sich eine lateinische Inschrift, an den Längsseiten sind zwölf nahezu vollplastisch herausgearbeitete Apostelfiguren angebracht. Die Stirnseiten zeigen Christus zwischen Maria und Johannes dem Täufer sowie auf der gegenüberliegenden Seite den hl. Godehard, flankiert von Bischof Bernhard und einem weiteren Bischof. 1538 wurde der Godehardschrein Opfer von Dieben, die wertvolle Edelsteine heraus brachen und das Kunstwerk beschädigten. Erst 1767 ließ das Domkapitel diese Beschädigungen ausbessern. Zuletzt ist das Gesamtwerk in den Jahren 1971/1972 saniert und überarbeitet worden.

Im Zuge der Domsanierung wurde der Godehardschrein im vergangenen Jahr in die Werkstatt des Dom-Museums gebracht, wo er von der Kunsthistorikerin Dr. Dorothee Kemper und Restaurator Uwe Schuchardt untersucht wird. Im Rahmen des Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Brandt, dem Direktor des Dom-Museums, in Zusammenarbeit mit den Kunsthistorikern Dr. Claudia Höhl und Dr. Gerhard Lutz sowie Partnerinstitutionen und Fachkollegen im In- und Ausland wird das Kunstwerk materialtechnisch und historisch analysiert und dokumentiert. Die mit Hilfe neuester technischer Verfahren durchgeführten Untersuchungen sollen Aufschluss über den Zustand des Schreins geben und als Grundlage für eine möglicherweise erforderliche Konservierung dienen. Außerdem erhofft sich das Bistum auch neue Aufschlüsse über die Entstehungsgeschichte dieses wertvollen Schreins.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur bezuschusst die wissenschaftliche Untersuchung und Bearbeitung des Schreins mit 160.000 Euro.