Geschichte der Domorgel

Domorgel vor 1945
Domorgel vor 1945

Die letzte Orgel des Mariendomes zu Hildesheim wurde 1989 durch die Firma Klais/Bonn unter Wiederverwendung von Gehäuse, Prospekt (Architekt Wolf) und Pfeifenmaterial der Orgel von 1960 (Breil/Dorsten) erbaut. Sie verfügte bei 4 Manualen und Pedal über 66 Register und war somit die größte der reichen Hildesheimer Orgellandschaft (u.a. St. Andreas, Beckerath IV/64 und St. Michael, Woehl III/62). Eine Besonderheit stellten die horizontalen Zungenstimmen in 16'-, 8'- und 4'-Lage dar, die der Orgel ein ganz besonderes klangliches Gepräge gaben. Der Klang dieser Orgel ist auf zwei CDs dokumentiert: Orgelmusik aus dem Hohen Dom zu Hildesheim (Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe) und Hildesheimer Domorgel (Bernadetta Sunavska).

Im Februar 2010 wurde diese Orgel durch Fa. Seifert abgebaut und in Teilen eingelagert. 58 Register und die Windladen werden aufgearbeitet und Teil der neuen Domorgelanlage, die 2014 in den renovierten Dom eingebaut wird. Wegen des Abrisses der Chor- und Orgelempore muss die Hauptorgel technisch größtenteils neu gebaut und auch klanglich komplett auf die veränderte Akustik des Domes angepasst werden. Sie wird über vier Manuale und 77 Register verfügen. Um die nun nahe bei der Gemeinde stehenden Chöre begleiten zu können, wird im Kirchenschiff außerdem eine neue zweimanualige Chororgel zu stehen kommen, die mit der Hauptorgel gemeinsam spielbar ist.

Die Geschichte der Domorgeln lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Vor 1378 befand sich eine Orgel im Nordschiff über der Kapelle der Heiligen Drei Könige. Dieses Instrument wurde im 15. Jahrhundert auf den neu erbauten Godehardichor, also in den Raum über dem Nordparadies versetzt, ehe es 1713 schließlich veräußert wurde.

Domorgel 2007
Domorgel 2007

Die Disposition einer großen Orgel findet sich erstmalig zu dem 1616/17 durch Meister Conrad Abtt (Minden) erbauten Instrument (II/Ped./31). Grundlegende Umbauten nahmen 1682-84 Tobias Bader (Westfalen) und vor allem Matthias Naumann (Frankfurt/Main) in den Jahren 1704-06 vor. Die Prospektgestaltung, die Naumann nur leicht veränderte und ergänzte, behielt Bestand bis zur Zerstörung des Domes am 22. März 1945. Eine Disposition aus dem Jahr 1738 weist die Orgel als dreimanualiges Instrument – Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk – mit 41 Registern aus. Im 19. Jahrhundert kam es immer wieder zu meist modebedingten Veränderungen. Das Rückpositiv wurde 1882/83 als Unterwerk in das Hauptgehäuse der Orgel umgesetzt. 1899 verfügte die Orgel bei weiterhin drei Manualen und Pedal über 43 Register.

1909 kam es unter Beibehaltung des vorhandenen Orgelprospekts zu einem Neubau (III/Ped./54) durch die Firma Furtwängler & Hammer (Hannover). Im Zuge des Wiederaufbaus des zerstörten Domes baute Fa. Breil (Dorsten) 1960 ein 52-registriges Instrument, das neben der klassischen Werkaufteilung (Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk, Pedalwerk) als besonderes „Highlight“ über eine aus drei Registern bestehende Batterie spanischer Trompeten verfügte, die über ein viertes Manual angespielt werden konnten. Nicht ausreichende Grundtönigkeit und große technische Probleme führten 1989 schließlich zum technischen Neubau (IV/Ped./66) durch Fa. Klais (Bonn). Die Prospektgestaltung von 1960, die Stil und Empfinden der 50-er und 60-er Jahre ausdrückte, wurde damals auf Anordnung des Denkmalamtes übernommen.