„Weltsensation“ an der Spree

30.09.2010

Dom-Museum Hildesheim bestückt große Teile der Ausstellung „Schätze des Glaubens“ im Berliner Bode-Museum

Berlin/Hildesheim (bph) – Gipfeltreffen in Berlin: Bedeutende Zeugnisse mittelalterlicher Kirchenkunst sind ab sofort im Bode-Museum an der Spree zu sehen. „Schätze des Glaubens“ heißt die Ausstellung, die Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern Abend eröffnete. Wichtige Exponate der Schau, die bis zum 30. September 2012 zu sehen sein wird, stammen aus dem Domschatz des Bistums Hildesheim und dem Kunstgewerbemuseums in Berlin. Der Anlass für die Ausstellung ist ganz praktischer Natur: Beide Museen sind in den kommenden Jahren wegen umfangreicher Um- und Neubauarbeiten geschlossen.

Sprachen anlässlich der Ausstellungs-
eröffnung im Bode-Museum: Michael
Eissenhauer (Generaldirektor Staatliche
Museen zu Berlin), Bernd Neumann
(Staatsminister für Kultur und Medien),
Johanna Wanka (Niedersächsische
Ministerin für Wissenschaft und Kultur) und
Werner Schreer (Generalvikar Bistum
Hildesheim); Bildquelle: Staatliche Museen
zu Berlin, Foto: Achim Kleuker

Über 70 Werke herausragender sakraler Schatzkunst – Reliquiare, liturgische Geräte, Bücher und Textilien – sind in den kommenden zwei Jahren im Berliner Bode-Museum ausgestellt, viele von ihnen waren bisher noch nie gemeinsam zu sehen. So haben aus dem Hildesheimer Domschatz, der seit 1985 gemeinsam mit dem Dom und der Kirche St. Michaelis zum UNESCO-Welterbe gehört, unter anderem das große bronzene Taufbecken, das überragende Hauptwerk mittelalterlichen Bronzegusses, die Silbernen Bernwardkreuze und die Große Goldene Madonna aus dem frühen 11. Jahrhundert ein vorübergehendes neues Zuhause auf der Berliner Museumsinsel gefunden. Weil im Rahmen der Domsanierung die Antoniuskirche neben dem Dom bis zum Jahr 2014 zu einem neuen Dom-Museum umgebaut wird, hat der Direktor des Museums, Professor Dr. Michael Brandt, Teile des Museumsbestandes an andere Museen ausgeliehen, um bis dahin wenigstens einen Teil der Bistumsschätze zeigen zu können. „Welterbe im Welterbe“ könne daher der Untertitel der Ausstellung lauten, so Kulturstaatsminister Neumann, denn auch die Berliner Museumsinsel ist Teil des Welterbes.

Aus dem Bestand des Kunstgewerbemuseums sind in der Ausstellung zahlreiche Hauptwerke des berühmten Welfenschatzes zu sehen, dem einstigen Kirchenschatz des Stiftes St. Blasius in Braunschweig. Kaum ein anderer Kirchenschatz spiegelt die Entwicklung der Goldschmiedekunst des Mittelalters in vergleichbar umfassender Weise. Gezeigt werden unter anderem das wohl in Süditalien entstandene Welfenkreuz, der Tragaltar des Eilbertus Coloniensis und das Kuppelreliquiar aus Köln.

Für Professor Dr. Michael Eissenhauer, den Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin ist die Ausstellung deshalb nichts weniger als eine „Weltsensation, eine einmalige und wunderbare Gelegenheit“. Den Besuchern die Schönheit der Objekte zu vermitteln und zugleich ihre sakrale Bestimmung bewusst zu machen, sei dabei das vorrangige Ziel, sagte Eissenhauer vor den rund 500 Gästen, die zur Ausstellungseröffnung auf die Museumsinsel gekommen waren. Entsprechend besitzt auch der Begriff Kirchenschatz „thesaurus ecclesiae“, seit jeher eine doppelte Bedeutung: eine materielle Kostbarkeit und ein spirituelles Heiligtum. „Wir wollen die Aura der Werke vermitteln und ihre ursprüngliche Intention, denn alle Stücke haben die Aura des Außergewöhnlichen bewahrt.“

Den Organisatoren der Ausstellung ist es besonders wichtig gewesen, die Kunstschätze nicht beliebig zu präsentieren. Dass das gelungen ist, zeigt die Gegenüberstellung des Kuppelreliquiars aus dem Welfenschatz mit dem Kopfreliquiar des Heiligen Oswald aus dem Hildesheimer Domschatz. Beide Werke sind im ausgehenden 12. Jahrhundert entstanden: Während das Exponat aus dem Welfenschatz an eine Kreuzkuppelkirche erinnert, macht das Kunstwerk aus dem Domschatz schon anhand seiner charakteristischen äußeren Gestalt deutlich, dass eine Kopfreliquie enthält. Obwohl etwa zur gleichen Zeit, nämlich im ausgehenden 12. Jahrhundert entstanden, zeigen beide Prunkstücke die faszinierende Variationsbreite mittelalterlicher Kirchenkunst.

Dass die gezeigten Gegenstände nicht nur musealen Wert besitzen, betonte der Hildesheimer Generalvikar Dr. Werner Schreer in seinem Grußwort und verwies auf die Doppelfunktion des Museums: die Verbindung von Ausstellung und Erforschung mit der aktiven Benutzung vieler Sammlungsgegenstände im Gottesdienst. „Die Schätze des Glaubens sind nicht Relikte einer vergangenen Epoche, die uns aus ästhetischen Gründen fasziniert. Sie sind Zeugnisse unserer gemeinsamen in der jüdisch-christlichen und der antik-philosophischen Tradition wurzelnder Kultur.“

Information:
„Schätze des Glaubens. Meisterwerke aus dem Dom-Museum Hildesheim und dem Kunstgewerbemuseum Berlin zu Gast im Bode-Museum“,
30. September 2010 bis 30. September 2012,
Bode-Museum, am Kupfergraben 1, 10178 Berlin,
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr,
Eintrittspreise: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei,
Internet: www.smb.museum.de
Zur Ausstellung ist ein 160-seitiger, durchgehend farbiger Katalog im Verlag Schnell + Steiner erschienen: Schätze des Glaubens, ISBN: 978-3-7954-2434-3 , 19,90 Euro

Video zur Ausstellungseröffnung